IFWF Presseerklärungen

 

 

An die Presse und die Öffentlichkeit

Lasst uns die dringenden Friedensappelle von Frauen unterstützen!

Die Geschichte ist von unzähligen Kriegen gekennzeichnet, die an Zerstörungskraft nichts verloren haben. Der Mittlere Osten ist eine der Regionen, in der sich Kriege am stärksten zugespitzt haben. Kriege werden nicht mehr nur zwischen Armeen geführt, sondern richten sich vorrangig gegen die Zivilbevölkerung. Frauen und Kinder ist die Hauptleidtragenden der Gewaltspirale des Krieges. Beispiele sind der Israel-Palästina Konflikt sowie die wiederholten und anhaltenden Kriege im Gebiet Kurdistans. In der jüngsten Geschichte haben die Kriege in Afghanistan und im Irak großes Leid angerichtet. Neben dem Mangel an Trinkwasser, Nährungsmitteln und Elektrizität wirken auch die Verletzungen, die Frauen und Kinder infolge von Krieg und Vertreibung erleiden mussten, nach dem Stillstand der Gefechte noch fort. Sie äußern sich u.a. in physischen Gesundheitsproblemen, in schwerüberwindbaren psychologischen Folgen und Traumatisierung.

Anlässlich des Weltfriedenstages am 1. September 2005 weist die International Free Women’s Foundation (IFWF) insbesondere auf die ernsthaft zunehmenden systematischen Militäroperationen in der Türkei hin. Wie in der Zeit des 15 Jahre andauernden Krieges sind auch heute wieder Angriffe auf die Zivilbevölkerung, Morde „unbekannter Täter“, Übergriffe auf Frauen und Vergewaltigungen an der Tagesordnung. Demgegenüber trägt die Bevölkerung deutlicher denn je ihre Friedensforderungen in die Öffentlichkeit. Mütter, Frauen, Jugendliche und Kinder demonstrieren tagtäglich gegen das Blutvergießen. Friedensinitiativen und NGOs bemühen sich um eine friedliche Lösung. Ein Beispiel hierfür sind die mutigen Friedensappelle der Initiative der Friedensmütter. Als kurdische, türkische und georgische Mütter fordern sie von der türkischen Regierung ein Ende der Gefechte und der Angriffe gegen Frauen und die Zivilbevölkerung.

Am 25. August 05 versammelten sich  120 Mütter aus unterschiedlichen Provinzen der Türkei und baten den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayip Erdogan sowie den Generalstab der Armee um Gesprächstermine. Jedoch wurden das Anliegen der Mütter zurückgewiesen. Eine Gruppe von 45 Müttern, die sich von Van aus auf den Weg nach Ankara begeben wollte, wurde von Gendarmen aufgehalten. Des weiteren wollten tausend Menschen am 27. August 2005 die Militäroperationen in der Umgebung der Kleinstadt Beşiri / Batman zum Rückzug bewegen, indem sie mit einem Demonstrationszug in das Gefechtsgebiet liefen. Jedoch wurden auch sie von Soldaten eingekreist und aus Panzern beschossen. In Folge des Schusswaffeneinsatzes verlor der 25jährige Jugendliche Hasan İş sein Leben, 14 Menschen wurden schwer verletzt. All diese Ereignisse stehen in deutlichem Widerspruch zu den jüngsten Äußerungen des türkischen Ministerpräsidenten, in denen er ankündigte, die kurdische Frage durch eine Erweiterung der demokratischen Rechte lösen zu wollen.

Die IFWF verurteilt alle diese Angriffe. Für einen nachhaltigen Friedensprozess im Mittleren Osten ist es notwendig, die Friedens- und Demokratieforderungen des kurdischen Volkes zu berücksichtigen und konkrete Projekte umzusetzen. Nicht Krieg und Gewalt, sondern Frieden und Gerechtigkeit müssen gewinnen. Anlässlich des diesjährigen Weltfriedenstages rufen wir alle Frauen- und Friedensorganisationen, Menschenrechtsvereinigungen, NGOs und friedensliebende Menschen auf, die Friedensbemühungen der kurdischen Frauen und anderer Bevölkerungsteile zu unterstützen.

Unsere Forderungen für einen dauerhaften und gerechten Frieden sind:

-   Sofortige Einstellung aller Angriffe und Militäroperationen gegen die kurdische Bevölkerung!

-   Anerkennung der legitimen Forderungen des kurdischen Volkes und konkrete Schritte für eine friedliche Lösung seitens der türkischen Regierung als Antwort auf die einmonatige Waffenpause, die durch die kurdische Seite ausgerufen wurde.

-   Anwendung der Konvention 1325 des UN Sicherheitsrates zur Beteiligung von Frauen im Friedensprozess durch die Türkei! Annahme der Dialogforderungen der Friedensmütter!

International Free Women’s Foundation
 Rotterdam, 31.08.2005

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